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Laozi (chinesisch 老子, Pinyin Lǎozǐ, W.-G. Lao Tzu ‚Alter Meister‘) ist ein legendärer chinesischer Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt haben soll.

Trotz der sonst beeindruckenden Überlieferung minutiöser Chroniken und Listen von Herrschern, Beamten und anderen Würdenträgern des alten China ist über Lǎozǐ fast nichts bekannt. Die ältesten Quellen, die ihn erwähnen, sind Anekdoten und Legenden, darunter mehrere Geschichten über ihn in Zhuāngzǐs (Dschuang Dsi, Chuang-tzu) „wahrem Buch vom südlichen Blütenland“. Die erste historische oder biographische Quelle findet sich im Shǐjì (Shi chi) des Sīmǎ Qiān (Ssu-ma Ch'ien), den „Aufzeichnungen des Chronisten“ aus dem 1. Jahrhundert v. Chr., doch Sīmǎ Qiān schreibt selbst, dass seine Quellenlage sehr unsicher sei und er widersprüchliche Aussagen über Lǎozǐ gefunden habe; deshalb sei er nicht sicher, ob Lǎozǐ tatsächlich je gelebt habe.

Leben Bearbeiten

Laozis Biografie Bearbeiten

Einige Jahrhunderte vor Beginn unserer Zeitrechnung, als China noch nicht China war und sich allerlei Kleinstaaten in dieser Region nur gegenseitig heftig bekriegten, arbeitete am Hof des regierenden Königs von Zhou ein Geschichtsschreiber, dem die Aufgabe unterstand, alle Dokumente, die von offiziellen Stellen eingereicht wurden, getreulich zu kopieren und so die Annalen des Reiches zu führen. Das alles hätte eine Arbeit voller Muße sein können, doch die Zeiten waren chaotisch.

Wie seit eh und je war der Arm des Menschen stärker entwickelt als sein Geist, und weil alle Kleinherrscher nach dem Königsthron schielten, so schlug man gar heftig aufeinander ein und dieser Abschnitt der chinesischen Geschichte trug seinen späteren Namen deshalb zurecht: Die Zeit der Streitenden Reiche. Es regnete Erlasse und Widerrufe, Friedensschlüsse und Kriegserklärungen und all diese Unterlagen bekam unser Archivar auf seinen Tisch - und ab und zu seufzte er sicherlich laut über das, was er da lesen musste. Doch dieser Archivar war ein besonders weiser Mann, das hatten all die Schriftrollen und alten beschriebenen Bambusstreifen bewirkt, mit denen er seine Tage verbrachte und in die er sich auch mit ganzer Hingabe vertiefte.

Da die Archive des Staates Zhou auch allerlei Berichte aus grauer Vorzeit bargen, war er sehr wissbegierig zu erfahren, was sich dort an alter Weisheit wohl finden ließ. Und während draußen die Welt schier unterging, verstrichen so für ihn die Jahre im Archiv und sein Haar wurde langsam schütter. Da wurde ihm eines Tages ein Gelehrter gemeldet, der ihn zu sprechen wünschte, denn der Ruf unseres gelehrten Archivars hatte sich im Laufe der Jahre schon zu Ruhm gewandelt, der bis weit in die Ferne drang. Und so erschien zu jenem Treffen der junge Konfuzius, und nachdem er den Älteren respektvoll begrüßt hatte, begann er sogleich mit Fragen über Sitten und Gebräuche und allerlei Zeremonien, denn das interessierte den Konfuzius sehr.

Unser Weiser blickte ihn nur an - und seufzte. Was sollte er ihm sagen, diesem Bücher-Gelehrten, dem jede Einsicht in die wahren Zusammenhänge der Dinge abging und der meinte, man könne alles nur mit Vorschriften und Geboten regeln. Und da unser Archivar durch seine Tätigkeit jeden Glauben an den Erfolg der Diplomatie verloren hatte, beschloß er, dem Konfuzius eine ehrliche Antwort zu geben, und ihm ein bißchen den Kopf zu waschen. Konfuzius soll diese ganz anders als erwartete Belehrung mit großen Augen und hängendem Unterkiefer hingenommen haben und dann schnell aufgebrochen sein. Auf ein weiteres Treffen wurde beiderseits verzichtet - man hatte sich kennengelernt. Wann sich die öffentlichen Zustände dann so sehr verschlimmerten, um unserem Weisen jeden Rest von Hoffnung zu rauben, ist nicht berichtet.

Eines Tages erbat er jedenfalls seinen Abschied vom Hof des schwachen Königs von Zhou, schwang sich auf einen Wasserbüffel und machte sich auf gen Westen, um sich zurückzuziehen und in seinem Inneren das zu bewahren, was der Welt im Äußeren abhanden gekommen war: den Frieden. So erreichte er nach einiger Zeit den Grenzpaß des Reiches. Der Grenzwächter aber, der schon von weitem violette Wolken am Himmel gesehen hatte, erkannte darin das Nahen eines Heiligen und bat den Weisen, doch bitte nicht einfach so wortlos von dannen zu reiten, er möge doch ihm und der Nachwelt Ratschläge geben und Auskunft erteilen, zu welchen Einsichten er gekommen sei. Da seufzte der Weise ein weiteres Mal, nahm sich einen Pinsel und einen Tag Zeit und begann mit seinen Aufzeichnungen, bis ihm nach über fünftausend Schriftzeichen schließlich die Tusche ausging.

Er teilte sein Werk in zwei Abschnitte, bestieg seinen Wasserbüffel und empfahl sich. Weit führte sein Weg nach Westen, hinauf in die Randgebirge Tibets und vielleicht auch wieder hinab in die Ebene des Ganges, wo zur gleichen Zeit ein junger indischer Prinz mit dem Leben und dessen Versuchungen rang. Doch das weiß heute keiner mehr so genau, auch nicht die Chinesen. Nur daß Laotse sehr alt geworden ist, da sind sich all